Chronik des Panzergrenadierbataillon 173

Wache der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)
Wache der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)

Die Geschichte des Panzergrenadierbataillon 173 beginnt mit der Wiederaufstellung einer deutschen Armee nach dem 2. Weltkrieg. Als offizielles Geburtstdatum ist auf dem Aufstellungsbefehl Nr. 3 (Heer) der 30.09.1956 verzeichnet, jedoch betrat am 12. Juli 1956 mit StFw Mörler der erste Soldat des zukünftigen Panzergrenadierbataillon 3 die Boehn-Kaserne. Der Standort war damals noch in einem mangelhaften Zustand, denn die Gebäude waren noch nicht vollständig wiederhergestellt. Der Aufstellungsbefehl sah vor, dass das der 3. Panzerdivision unterstellte Panzergrenadierbataillon 3 bis zum 01.11.1956 eine Auffüllung bis auf eine Stärke von 80% des Solls von ca. 979 Soldaten erreichen soll. Die Chronik verzeichnet für den 03.09.1956 einen Personalstand von 11 Offizieren / 68 Unteroffizieren und 45 Mannschaften.

Die damalige Gliederung umfasste die Stabskompanie, die 1./- bis 4./- als Gefechtskompanie und die Versorgungskompanie. Die Ausrüstung bestand aus US-Karabinern M1, dem leichten US-MG, Pistolen (ab 1957 Walther 9mm) sowie 6 Granatwerfern 81mm. Die ersten Kraftfahrzeuge erreichten das Bataillon im November 1956 in Form von LKW 0,75t Borgward, 3t FORD und 5t Mercedes.

Mit dem 05. November 1956 endete die Kaderaufstellung, schon einen Tag später trafen die ersten 63 ungedienten Freiwilligen in der Boehn-Kaserne ein, denen am 16. März 1957 noch einmal 120 Personen folgten. Die ersten "richtigen" Wehrpflichtigen konnten dann in einer Stärke von 180 Personen im Standort begrüßt werden. Der erste Jahrgang von Wehrpflichtigen legte in einer öffentlichen Großveranstaltung sein Gelöbnis im Hamburger Stadtpark ab. In den Jahren 1966 und 1977 wurden nochmals Gelöbnisse in der Öffentlichkeit auf dem Rathausplatz in Hamburg durchgeführt.

Das Datum 05. Januar 1957 ist in der Bataillonschronik als erster Kontakt zur "Außenwelt" vermerkt, denn der Rahlstedter Tennisclub lud Soldaten des Bataillons zum Kennenlernen und zur ersten Verbindungsaufnahme ein. Da die Bundeswehr zur damaligen Zeit noch ein durchaus umstrittenes Instrument zur Sicherung des Friedens war, war der Schritt des Tennisclubs durch aus beachtlich.

Schon Anfang Juli 1958 verfügt das PzGrenBtl 3 über eine Personalstärke von 900 Soldaten und damit fast über seine Sollstärke. Diesen Soldaten wurde die besondere Ehre zuteil, an der Lehr- und Versuchsübung 1958 mit 162 KFz als "Üb-PzGrenBtl 503" teilzunehmen.

Die Versuchsübung nahm das Hamburger Abendblatt zum Anlass, am 10.09.1958 zu titeln: Heute Nacht beginnen die ersten großen Herbstmanöver der Deutschen Bundeswehr. Der Sinn hinter dieser großen Lehrübung, an der auch Bundeskanzler Adenauer und Verteidigungsminister Strauß teilnahmen, war es, die Neugliederung des Heeres in Brigaden zum ersten Mal praktisch zu erproben. Die Erprobung erwies sich als nützlich, daher wurde das Panzergrenadierbataillon 3 schon im Oktober 1958 umgliedert:

Bataillonsgliederung Oktober 1958
neue Bezeichnung alte Bezeichnung
1. Kp VersKp
2. Kp 2. Kp
3. Kp 3. Kp
4. Kp 1. Kp
5. Kp StabsKp
6. Kp 4. Kp
Gelöbnis in der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)
Gelöbnis in der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)

Im Dezember 1958 feiert das Bataillon schon 2,5 Jahre seines Bestehens, aber die Häufigkeit der Personalwechsel mit Ausnahme des Kommandeurs lassen eine Nachverfolgung nicht mehr zu.

Am 01. Februar 1959 wurde das Panzergrenadierbataillon 3 aus der 3. Panzerdivision herausgelöst und der in Hamburg neu aufgestellten Kampfgruppe A3 zugeteilt, die schon im darauf folgenden Monat zur Panzergrenadierbrigade 17 umbenannt wurde. Diese Brigade war der 6. Panzergrenadierdivision unterstellt und damit einhergehend bekam auch das Bataillon den neuen Namen Panzergrenadierbataillon 172 am 16.3.1959, was mit einer erneuten Umgliederung der Kompanien verbunden war.

Bataillonsgliederung März 1959
neue Bezeichnung alte Bezeichnung
1. Kp (StVersKp) 1. Kp
2. Kp (PzGrenKp) 2. Kp
3. Kp (PzGrenKp) 6. Kp
4. Kp (PzGrenKp) 4. Kp
5. Kp (schwere PzGrenKp) 5. Kp

 

Erst im Juli 1960 war es soweit, dass das Bataillon seinen ersten HS30-Schützenpanzer bekam, der jetzt das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere war. Jedoch konnte die Freude darüber nur geteilt sein, denn die Panzer wurden ohne Turm ausgeliefert; bis zum August übrigens 46 Exemplare. Die fehlenden Türme wurden erst zum 16. Juni 1961 ausgeliefert, dennoch nahm das Panzergrenadierbataillon 172 bereits 1960 an der Übung HOLD FAST erstmals mit den neuen Fahrzeugen teil, daneben gab es noch SPz (Üb), Radfahrzeuge sowie den amerikanischen Panzer M41 im Panzerjägerzug der 5. Kompanie.

ln der Nacht des 16.02.1962 traf die Stadt Harnburg die größte Flutkatastrophe ihrer Geschichte. Neben Soldaten aller Hamburger Truppenteile gehörten auch die Soldaten des Panzergrenadierbataillon 172 zu den ersten Helfern, die den betroffenen Hamburger Bürgern Rettung und Hilfe brachten, vor allem im Bereich Peute-Hafen, Wilhelmsburg und Veddel.

Nach einer längeren Phase der Konsolidierung, in der 1966 die M41-Panzer durch die neuen Kanonenjagdpanzer ersetzt wurden, gab es im Jahr 1971 neue strukturelle Veränderungen: im Zuge der Umgliederung des Heeres in die Struktur 3 und größerer Truppenverschiebungen innerhalb der 6. Panzergrenadierdivision wurde das Panzergrenadierbataillon 172 am 01.10.1971 umbenannt in Panzergrenadierbataillon 173. Gleichzeitig veränderte die 5. Kompanie ihr Gesicht: aus der schweren Panzergrenadierkompanie wurde die Panzermörser-Kompanie, ausgestattet mit sechs Panzermörsern 120 mm auf SPz HS 30.

Am 11.08.1971 verunglückte der Unteroffizier Rüdiger Knaak bei einer Gefechtsübung der 3. Kompanie auf der Sieker Landstraße tödlich. Während einer Kampfphase, in der er dem Richtschützen seines SPz ein Feuerkommando gegeben hatte, saß er vom SPz nach vorn ab und geriet bei der Feuereröffnung durch den Richtschützen unmittelbar vor die Rohrmündung der Bordkanone. Unteroffizier Knaak war der erste Angehörige des Bataillon, der im Dienst tödlich verunglückte. Am 04.05.1972 stieß der Transportzug der Deutschen Bundesbahn, mit dem unter anderen das Panzergrenadierbataillon 173 nach einem Truppenübungsplatzaufenthalt in Bergen-Hohne per Bahn in den Standort Hamburg zurück verlegt werden sollte, gegen 03:18 Uhr auf der eingleisigen Strecke Buchholz-Soltau auf Grund menschlichen Versagens mit einem Güterzug zusammen. Neben dem Lokführer des Zuges verloren bei diesem Unglück der Unteroffizier Klaus-Dieter Achtert und der Panzergrenadier Heinrich Breuer, beide 1. Kompanie, ihr Leben, über 20 weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt.

Am 26.04.1973 wurde das Ende der HS 30- Ära im Bataillon eingeläutet: die ersten beiden Schützenpanzer Marder wurden an die 3. Kompanie übergeben, Ende Oktober 1973 waren alle 50 Marder ausgeliefert.

Im gleichen Jahr wurde die 5. Kompanie auf den Mörserträger MTW M 113 umgerüstet. Nach 13 Jahren Dienstzeit im Bataillon wurde der HS 30 außer Dienst gestellt, seine Spuren aber sind noch lange zu verfolgen: im Jägerbataillon (GE) 171 leistete er noch einige Jahre gute Dienste und seit Anfang Juni 1981 stand ein SPz HS 30 zur Erinnerung an das erste Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere auf der Wiese neben dem Haupttor der Boehn-Kaserne.

Am 11.11.1976 beging das Panzergrenadierbataillon 173 mit einem Bataillons-Appell und einem feierlichen Gelöbnis sein 20-jähriges Bestehen. Zahlreiche Gäste aus dem politischen und wirtschaftlichen Bereich, der örtlichen Verwaltung, den Vereinen und Institutionen im Raum Rahlstedt nahmen daran teil und brachten damit ihre in den 20 Jahren der Bataillonsgeschichte ständig gewachsene enge Verbundenheit zum Bataillon sichtbar zum Ausdruck. In das Jahr des 25-jährigen Bestehens fiel die nächste Umgliederung des Bataillon: am 27.03.1981 wurde im Rahmen eines Bataillons-Appells die Umgliederung in die Heeresstruktur 4 nach außen sichtbar vollzogen. Die wichtigsten Veränderungen sind die Reduzierung auf 24 SPz Marder, die Einführung der sogenannten Dreier-Gliederung, die Umbenennung der 3. Kp und 4. Kp, die Umrüstung der 4. Kp auf MTW M113 sowie die Neuaufstellung der 3./PzGrenBtl 171, die seitdem dem Bataillon für den Friedensbetrieb in jeder Hinsicht unterstellt ist:

Bataillonsgliederung 1981
neue Bezeichnung alte Bezeichnung
1. Kp (StVersKp) 1. Kp - StVersKp
2. Kp (PzGrenKp) 2. Kp - PzGrenKp
3. Kp (PzGrenKp) 4. Kp - PzGrenKp
4. Kp (PzGrenKp) 3. Kp - PzGrenKp
5. Kp (PzMrsKp) 5. Kp - PzMrsKp
3./171 - PzGrenKp (Marder) ---

Zu Beginn des Jahres 1969 übernahm das Bataillon nach einleitenden Gesprächen zwischen dem damaligen Kommandeur, Oberstleutnant Hoffmann, und Oberstabsfeldwebel Moldt, ehemaliger Angehöriger der 225. Infanteriedivision, die Traditionspflege dieser Division, die 1935 als Mobilmachungsverband aufgestellt wurde und mit ihrem Stab in Hamburg zu Hause war. Im Sommer 1969 wurde die Traditionstafel der 225. I.D. durch Herrn Pastor Grau erstellt und dem Bataillon übergeben. Sie ist im Jahre 1981 in einem eigens dafür eingerichteten Traditionsraum untergebracht worden.

Der Kontakt zwischen dem Bataillon und der Traditionsgemeinschaft der 225. I.D. ist vielfältig: seit 1976 findet jährlich ein Schießwettkampf zwischen je einer Mannschaft des Bataillon und der Traditionsgemeinschaft statt, die im Oktober 1976 und im Oktober 1979 je einen Silberbecher mit Gravur als Wanderpokal stiftete, der bisher jeweils knapp von der Bataillons-Mannschaft gewonnen werden konnte. Das Bataillon ist mit einer Delegation vertreten beim traditionellen Jahrestreffen mit Grünkohlessen der Traditionsgemeinschaft zu Beginn eines jeden Jahres, diese nimmt teil an allen besonderen Veranstaltungen des Bataillon .

Seit ca. 10 Jahren ist das Bataillon Mitglied der "Vier-Aufrechten". In dieser Verbindung mit

  • der Freiwilligen Feuerwehr Oldenfelde-Siedlung
  • der II. Wachabteilung der Feuerwache Wandsbek
  • der Altliga des Sportvereins Barmbek-Uhlenhorst (BU)

kommt auf besondere Weise die Einbindung des Bataillons in seine zivile Hamburger Umwelt zum Ausdruck. Jährlich einmal werden gemeinsam ein humoriger Sportvergleichskampf und ein Tanzfest der "Vier-Aufrechten" durchgeführt. Daneben spricht auch die enge Verbindung des Btl zum Bürgerverein Oldenfelde, zur Freiwilligen Feuerwehr Oldenfelde, zum Bürgerverein Rahlstedt, zum Sportverein SC Condor und anderen Vereinen und Verbänden eine deutliche Sprache von den in 25 Jahren kontinuierlich gewachsenen Bindungen zwischen den Soldaten des Bataillons und den Bürgern Hamburgs.

Eine mehr als 13-jährige enge Verbindung bestand zwischen der Kreisgruppe Wandsbek des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr e.V. und dem Bataillon, das bei zahlreichen dienstlichen und außerdienstlichen Veranstaltungen Ausrichter und Gastgeber für die Reservisten war. Am 07.06.1980 beim 14. Militärischen Mannschaftswettbewerb gewann eine Mannschaft des Bataillon zum fünften Mal und damit für immer den von der Innenbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg im Jahr 1967 gestifteten Silberteller. Auch bei anderen Sportwettkämpfen im Bereich Hamburg und im internen Bereich der Bundeswehr errangen Mannschaften des Bataillon einige hervorragende Siege und Platzierungen, dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich in den Bataillons-Mannschaften häufig prominente Spitzensportler fast aller Hamburger Sportverbände fanden, die ihre Wehrpflicht im PzGrenBtl 173 absolvierten.

Am 27.03.1981 fand ein Bataillonsappell zur Umgliederung des Bataillons innerhalb der Heeresstruktur 4 statt. Gleichzeitig wurde dem Bataillon die neuaufgestellte 3./PzGrenBtl 171 unterstellt. Ein knappes halbes Jahr später konnte am 25.09. wieder mit einem Appell und Empfang der 25 Geburtstag des PzGrenBtl 173 gefeiert werden (die Zeiten als PzGrenBtl 3 und PzGrenBtl 172 eingeschlossen). Durch die Anwesenheit vieler prominenter Gäste aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben Hamburgs wurde einmal mehr die enge freundschaftliche Verbindung zwischen dem Bataillon und seiner Umgebung verdeutlicht.

1982 standen wieder viele Übungen für die Hamburger Grenadiere an, unter anderem "Starker Büffel" (03.05. - 07.05.) und "Bold Guard 82" (20.09. - 24.09.). Ende Februar wechselte der Kommandeur des Bataillons: OTL Lindner übergibt an OTL Müller. Ebenfalls wurde die Verbindung zum Nachwuchs gefestigt im Rahmen des "Tag der offenen Tür für Schüler und Lehrer" Ende Mai.

1983 wird viele Soldaten in Erinnerung bleiben, denn der Quartalsausbildungsbefehl sah vor, dass die Truppenteile der Brigade 17 nach Durchführung der Bataillonsgefechtsübung LINDWURM den Weg in den Heimatstandort von BERGEN zu Fuß (100km-Marsch) zurücklegen. Drei Tage waren die Soldaten unterwegs. Auch Reporter der BILD versuchten sich daran.

Das neue Jahr 1984 hatte gerade erst begonnen, als am 26. Januar die Übergabe des PzGrenBtl 173 an den neuen Kommandeur, Major von Claer stattfand. Nach der "Abschlussübung" DREISPRUNG des alten Kommandeurs, OTL Müller, wurde am 26.01 um 14 Uhr der Kommandowechsel in Form eines Btl-Appells mit anschließendem Vorbeimarsch unter Leitung des Brigadekommandeurs, Oberst Vestl, durchgeführt. 

Die ersten Quartale des Jahres 1984 standen unter dem neuen Kommandeur,OTL von Claer,wieder ganz im Zeichen einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, um gute Beziehungen zwischen dem Btl auf der einen und Reservisten, den 4 Aufrechten und auch der politischen Führung in der Stadt Hamburg auf der anderen Seite zu erhalten und zu verbessern. 
Auch 84 wurde in der Boehn-Kaserne wieder gefeiert! Ein Jubiläum besonderer Art, das 25-jährige der PzGrenBrig 17, war Anlass für ein großangelegtes Besuchsprogramm, einen Tag der offenen Tür, Empfang und Ball. Das Panzergrenadierbataillon 173 hatte dabei den Auftrag, am 16.06.1984 mit unterstützenden Teilen eine Dynamische Waffenschau im Rahmen der Wehrübung WANDSESCHILD auf dem StOÜbPl HÖLTIGBAUM durchzuführen.

Das neue Jahr hatte noch gar nicht richtig angefangen, als das Bataillon sich am 02.02. zum Truppenübungsplatzaufenthalt in BERGEN in Marsch setzte. Bei Temperaturen z. T. bis - 30°C lag der Schwerpunkt der Ausbildung im Gefechtsschießen, das 1985 einen kleinen Höhepunkt hatte. Um den Soldaten Schießauabildung noch kriegsnaher zu demonstrieren, stellte Oberst Eisele den Antrag, dass ein voll besetzter SPz Marder aus 100m Entfernung mit dem G3 (DM41 Weichkern) beschossen werden soll. Dieser wurde genehmigt und das PzGrenBtl 173 wurde mit dem Versuchsschießen beauftragt. Während des  Truppenübungsplatzaufenthalts  in BERGEN wurde dort auch der jährliche
Jägerwettbewerb der 6. Division ausgetragen. Hier belegte die Mannschaft des Bataillons den 2. Platz.


Der Schwerpunkt des Jahres war die Heeresübung "TRUTZIGE SACHSEN" vom 12.09. bis zum 21.09.1985. Dabei stellte die Panzergrenadierbrigade 17 den Angreifer dar. Um ihren Auftrag zu erfüllen setzte die gesamte Brigade über die Elbe. Dies stellte die erste Elbüberquerung der Bundeswehr dar. Unter den rund 3.600 Soldaten waren 500 Reservisten. Im PzGrenBtl 173 wurden die 1./-, 2 ./- und 4./Kompanie mit Reservisten aufgefüllt. Aber obwohl alle Bewegungen der Brigade unter bester Tarnung oder bei Nacht stattfanden (Elbüberquerung), konnte der Presse zumindest das Treiben der Brigade 17 nicht verborgen bleiben.

Obwohl die großen Aufgaben des Bataillons im ,Jahr 1985 3  Truppenübungsplatzaufenthalte, 2 große Materialüberprüfungen (Prüfstufe C und § 78 BHO) und die Großübung des Heeres "TRUTZIGE SACHSEN" waren, wurde wieder Öffentlichkeitsarbeit stark betont und Tradition gepflegt.

 

Wieder einmal begann ein Jahr mit dem Aufenthalt auf einem Truppenübungsplatz. Diesmal war es - genauso wie im Vorjahr - vom 04.01. - 18.01.1986 in BERGEN. Dank der neuen WINTERZUSATZAUSRÜSTUNG kamen die Soldaten des Bataillons besser mit den eisigen Temperaturen klar. Höhepunkt dieses  Truppenübungsplatzaufenthaltes waren eine "Dynamische Waffenschau" und eine Vorführung des "Kampfes verbundener Waffen" der Panzergrenadierbrigade 17. Auf dem Gebiet der Traditionspflege wurde auch dieses Jahr eine Aktion "Saubere Umwelt" durchgeführt, bei der jeder kräftig zupacken durfte, beim Reinigen der Gewässer, beim Einsammeln von Müll in der Parkanlage und beim Entrümpeln eines Müllplatzes.

In diesem Jahr ist das absolute Highlight der Aufenthalt in SHILO (Kanada). Am 07. Juni wurde auch der 30. Geburtstag des Bataillons gefeiert. Zu diesem lud das Bataillons die Bevölkerung zu einem "Tag der offenen Tür" ein. Es begann um 09:30 Uhr mit einer Gefallenenehrung und Kranzniederlegung am 76er Gedenkstein in der Kaserne mit der Traditionsgemeinschaft der 255.-Infanteriedivision. Um 10 Uhr wurden dann die ca. 500 jungen Rekruten der Panzergrenadierbrigade 17 bei einem Feierlichen Gelöbnis vereidigt. Hierbei hielt der Innensenator Dr. Rolf Lange eine Rede. Am 11. August wurde das Bataillon von OTL von Caer an OTL Schmidt übergeben.

Vom 21. -26. September 1986 fand die NATO-Übung BOLD GUARD statt. An dieser Großübung im Raum Schleswig-Holstein nahmen ca. 50.000 deutsche Soldaten teil (inkl. Reservisten). Auch die Briten nahmen mit ca. 15.000 Soldaten daran teil. Davon waren rund 650 Soldaten des britischen Infanteriebataillons "1st Bataillon The Duke of Wellington Regiment" schon eine Woche vor Beginn der Übung in Hamburg eingetroffen. Sie schlugen ihre Zelte auf dem Standortübungsplatz Höltigbaum auf. Da das PzGrenBtl 173 mit der Betreuung der Briten beauftragt war, ließ man sich ein umfangreiches "Animationsprogramm" einfallen.

Im Jahresausbildungsplan der Brigade 17 war von 173 die Durchführung einer Lehrübung "TARNEN UND TÄUSCHEN" gefordert worden. Die 3./173 bekam vom Kdr 173 den Auftrag, diese Lehrübung durchzuführen. Am 04.04.1987 führte das PzGrenBtl 173 ein Gästeschießen für Angehörige benachbarter Verbände und Gäste aus dem zivilen Bereich auf der Standortschießanlage durch. Im Mai 1988 wurde das Feierliche Gelöbnis in GROSSHANSDORF unter Leitung des PzArtBtl 177 durchgeführt. Vom Bataillon nahmen daran die Rekruten der 3./- und 5. Kp teil. Trotz starker Bewachung durch Polizei und Feldjäger kam es wieder zu Ausschreitungen, die besonders durch die DUP STORMARN und die verschiedensten Friedensinitiativen hervorgerufen wurden.

Leider rückte die Truppenküche der Boehn-Kaserne im Jahre 1988 auch zweimal in das negative Rampenlicht der Öffentlichkeit. Am 09.05.88 kam es zu einer Salmonellen-Infektion, an der ca. 90 Soldaten, u.a. der Truppenarzt, erkrankten. Diese Soldaten fielen über mehrere Tage vom Dienst aus. Am 01.12.88 zeichnete sich bei ca. 150 Soldaten ein ähnliches Krankheitsbild ab. Doch konnte diesmal nach 2 Tagen festgestellt werden, dass es sich nicht um eine Salmonellen-Infektion , sondern um eine Lebensmittelvergiftung gehandelt hat. Grund waren Debreziner Würstchen, die im Eintopf gereicht wurden. 

Die gute Zusammenarbeit mit dem zivilen Umfeld wurde wieder deutlich beim "Bunten Nachmittag", den 20 Soldaten des Bataillons unter Führung des Kommandeurs den Bewohnern des Pflegeheimes FARMSEN gestalteten. Eine Soldatenband des Bataillons untermalte diese geselligen Stunden mit einem vielseitigen Musikrepertoire. Auch der Kommandeur konnte seinem Hobby nachkommen, nämlich dem Erzählen von Geschichten und Anekdoten bzw. dem Vorlesen von Gedichten. Somit wurde dieser Besuch im Pflegeheim zu einer gelungenen Veranstaltung.

Am 17.12.88 waren Abordnungen aller Verbünde der Brigade auf dem Ex-Platz der Boehn-Kaserne zum Appell angetreten. Unter den Augen vieler prominenter Gäste aus dem öffentlichen Leben an geführt von der Bürgerschaftspräsidentin Frau Helga Elstner, fand der Wachwechsel in der Brigade statt. Aber nicht nur der Brigadekommandeur übergab das Kommando, sondern auch der Kommandeur der Brigadeeinheiten wechselte gleichzeitig. Zudem wurde eine Patenschaft zwischen der Brigade und der 1. JUTLAND-Division gegründet.

Das Jahr 1989 wird wieder geprägt von Truppenübungsplatzaufenthalten, einem Tag der offenen Tür am 07. Juli 1989 und der Lehrvorführung "PzGrenBtl in der Verteidigung".

Der Fall der Mauer und die bald darauf folgende Wiedervereinigung Deutschlands hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Geschichte des Panzergrenadierbataillons 173.

Zunächst begann das neue Jahr 1990 traditionsgemäß mit einem 10-tägigen Truppenübungsplatzaufenthalt in BERGEN der 2 Kompanie und am 01. März ging es mit einem Feierlichen Gelöbnis von Rekruten der 3./- weiter. Bereits Ende März wechselte wieder der Kommandeur: OTL Schmidt ging und Major Siedschlag übernahm. Zahlreiche Übungen und Veranstaltungen mit Personen des öffentlichen Lebens runden das Jahr ab. Am 12.12.1990 besucht der Divisionkommandeur der 6. Panzergrenadierdivision, Brigadegeneral von Falkenhayn, das Bataillon.

Das Jahr 1991 stand bereits unter dem Eindruck der sich abzeichnenden "Heeresstruktur 5", nach der das Bataillon zu einem Geräte-Verband werden sollte. Obgleich das Bataillon schon im Frühjahr nur noch zu ca. 65% präsent war, konnte man bisweilen den Eindruck gewinnen, es würde sich um einen voll einsatzbereiten Verband handeln . Das zeigt auch ein Blick auf die von uns im Jahr 1991 durchgeführten Vorhaben.

Die Auswirkungen de r im Oktober 1990 gefeierten deutschen Wiedervereinigung bekam auch unser Bataillon zu spüren. Ein Hauch von zeitgeschichtlicher Bedeutung wurde uns Soldaten bisweilen bewusst, wenn auf dem Sportplatz die Unteroffizieranwärter der E/L - Kompanie sowohl in braunen "NVA" - Sportanzügen, als auch im blauen "Bw-Trainingsdress" miteinander Sport trieben. Ein Ereignis besonderer Art war das erste Gelöbnis von Rekruten aus den alten und neuen Bundesländern.

Ein fast schon als historisch zu bezeichnendes Ereignis war der Besuch einer ca. 30 - köpfigen Delegation von Offizieren/Unteroffizieren und Mannschaften des Bataillons beim GardeMotSchtzRgt "Uman-Berlin". Der Besuch hat uns alle tief beeindruckt.

Die durch die deutsche Wiedervereinigung herbeigeführte historische Entwicklung führte zum umwälzenden politischen Entscheidungen. Mit der Verpflichtung, die neuen gesamt-deutschen Streitkräfte auf 370.000 Soldaten zu reduzieren, wurde der veränderten Situation Rechnung getragen. Mit der Umsetzung taten sich jedoch alle Beteiligten schwer. Lange Zeit wartete die Truppe und die Anlieger von Kasernen auf klare Entschlüsse. Dieses führte bisweilen zu Spekulationen, Gerüchten und somit auch zu einer gewissen Unruhe.

Schließlich, am 24. Mai 1991 wurden die notwendigen Entscheidungen gefällt.

Fast wie ein letztes Aufbäumen mutete der TrÜbPI-Aufenthalt in SHILO/Canada an. Unter Mobilisierung aller Reserve n und Einbeziehung einer Reihe anderer Verbände verlegte das Bataillon vom 24.05. bis zum 16.06. nach SHILO.

Vom 30.08. - 10.09.1991 fand die letzte Truppenwehrübung statt.

Am 28. September, während der Technischen Material Prüfung, führte das Bataillon den gemeinsamen Ball mit dem PzArtBtl 177 durch. Aufgrund der bereits angespannten Personallage, der parallel weiterlaufenden Aufträge sowie der ständigen Dienste, war dieses Unternehmen für alle Beteiligten eine große Kraftanstrengung. Insbesondere der Major Brenne-Wegener und sein "Spieß", HFw Hintz, waren durch ihre große Erfahrung maßgeblich am Gelingen dieser Veranstaltung beteiligt.

Schon im Oktober existierten die 4./PzGrenBtl 173 und 5./PzGrenBtl 173 sowie die 3./PzGrenBtl 171 faktisch nicht mehr. Nur ein kleines Kommando zur Instandhaltung und Bewirtschaftung war für diesen "Funktionsbereich" noch vorhanden. Im Stab fehlten der Fernmelde-Offizier und zeitweilig der S4-Offizier sowie der Truppenarzt. Herr Major Brenne-Wegener, als neuer S3-Stabsoffizier führte "nebenbei" die 1 . Kompanie.

Die 2. Kompanie von Hauptmann Detsch beendete die Einsatzausbildung im September und bekam zum 1. Oktober noch einmal neue Rekruten, die aber zum überwiegenden Teil in andere Bereiche abgegeben werden mussten. Hauptmann Staniczek mit seiner Einsatz- und Lehrkompanie führte bis Dezember 1991 drei Unteroffizier-Lehrgänge (Allgemein Militärischer Teil) und zwei Panzergrenadier-Unteroffizier-Lehrgänge durch.

Bis zum Ende des Jahres folgten noch die Divisionsrahmenübung "Starker Büffel" und die Brigaderahmenübung "Brick Fence".

Auszug aus: "Der Countdown läuft ... Ein Panzergrenadierbataillon gliedert um zum Aufwuchsbataillon" von Lothar W. Brenne-Wegener

 

Als Ende Mai 1990 die ersten lokalen Zeitungen über die Auflösung der "Hamburger Hausbrigade", der Panzergrenadierbrigade 17, zu spekulieren beginnen, setzt auch bei den Soldaten des Panzergrenadierbataillon 173, dem ältesten Verband der Bundeswehr in der Hansestadt, unverzüglich eine heftig geführte Diskussion ein. Selbstverständlich ist man für Truppenreduzierung, aber dass man plötzlich selbst davon betroffen sein soll und dies obendrein noch aus der Zeitung erfährt, führt doch zu erheblichen Irritationen vor allem bei den Zeit und Berufssoldaten.

Anfang November werden die Pläne konkreter: dem Vernehmen nach soll das Bataillon, das am 30.September 1956 als Panzergrenadierbataillon 3 aufgestellt wurde, aus der Boehn-Kaserne nach Fischbek, jenseits der Elbe in den Süden Hamburgs verlegt werden. Offiziere, die sich nicht an den Mutmaßungen der örtlichen Medien beteiligen mögen, bemühen sich um Schadensbegrenzung, Politiker aller Parteien beeilen sich, den Soldaten ihre Solidarität zu versichern, Orts- und Bezirksamtsleiter üben sich in Treuebekundungen und versprechen, man werde sich bei den dafür zuständigen Stellen des Verteidigungsministeriums für den Erhalt des Standortes Boehn-Kaserne stark machen.

Lokalmatadoren besinnen sich schließlich des Wirtschaftsfaktors Bundeswehr und die Nachbarn stellen zuletzt die bange Frage: "Und wer kommt danach?" Dabei ist von Anfang an die Überlegung, Kampftruppenverbände aus den Großstädten herauszunehmen, vernünftig und die ein zig sinnvolle . 1938 zieht das Infanterie-Regiment 76 in die gerade fertiggestellte Boehn-Kaserne ein, so benannt nach Generaloberst Max von Boehn (1850-1921), einem der ehemaligen Kommandeure dieses Regiments. Damals besteht das Umland noch bis weit in die fünfziger Jahre hinein ausschließlich aus Wiesen und Feldern, heute dagegen liegt sie mitten im Wohngebiet Rahlstedts, dessen Häuserblocks sich im Rahmen der Expansion immer dichter an den Kasernenzaun heranzudrängen beginnen. Je näher sie dabei kommen, desto lauter werden die Proteste der Nachbarn über den rühestörenden Lärm, den die schweren Panzermotoren der Artilleriehaubitzen oder der Schützenpanzer Marder verursachen. Immer eindringlicher werden die Klagen über das Klirren von Tellern und Tassen im Geschirrschrank, wenn wieder einmal eine Kompanie mit ihren Kettenfahrzeugen zum Standortübungsplatz marschiert. Folge davon ist, dass immer mehr Auflagen die Bewegungsfreiheit der Soldaten in der Kaserne einschränken, bis zuletzt Zeiten vorgegeben werden, wann Kettenteile im Friedensbetrieb die Kaserne verlassen dürfen und wann nicht . So gesehen empfinden es die Realisten von Anfang an als konsequent, dass im Rahmen der Reduzierung der Bundeswehr und der Umgliederung in die Heeresstruktur 5 auch laut über den Standort Boehn-Kaserne nachgedacht wird. 

Was im Mai 1990 noch vehement als Planung deklariert wird, ist wenig später allerdings Tatsache: bis 1994 wird die Panzergrenadierbrigade 17 ihren angestammt Platz in der Boehn-Kaserne geräumt haben. Zuvor wird das Panzergrenadierbataillon 173 als "Aufwuchsbataillon" bis zum 30. September 92, auf den Tag genau zu seinem 36-sten Geburtstag, in die Röttiger-Kaserne nach Fischbek verlegen und dort dem zukünftigen "Stammbataillon", Panzergrenadierbataillon 72, zugeordnet. Gleichzeitig wird damit das letzte Kapitel in der Chronik dieses traditionsreichen Truppenteils abgeschlossen werden.

 Für den Kommandeur, Oberstleutnant Erich Siedschlag, analog zu den Worten Friedrichs des Großen, Grund zur Besinnung: "... jetzt darf nicht Trübsal geblasen werden, der Soldat muss wissen, dass es gut um unsere Sache bestellt ist. Es kommt jetzt darauf an, alle längerdienenden Zeit und Berufssoldaten sozialverträglich mit Perspektiven in anderen Truppenteilen der Region unterzubringen." Einer von diesen ist Stabsfeldwebel Otto Maschmann. Er stößt bereits am 01. April 1963 als Gefreiter zum Bataillon.

Als Zahlstellenfeldwebel war er der Soldat mit der längsten Stehzeit im Verband. Trotzdem sieht die Sache gelassen, aber: "... irgendwie tut es doch weh, wenn man sieht, dass ein Bataillon, das einem fast dreißig Jahre militärische Heimat war, aufgelöst wird." Dabei ist die Geschichte des Panzergrenadierbataillon 173 ebenso aufregend wie wechselvoll. Am 30.September 1956 ziehen die ersten 125 Soldaten, Kaderpersonal für das neu aufzustellende Panzergrenadierbataillon 3, in die Boehn-Kaserne ein. 1959 im Rahmen der Heeresstruktur 2 umbenannt in Panzergrenadierbataillon 172, trägt es seit 01. Oktober 1971, dem Datum des Inkrafttretens der Heeresstruktur 3, seinen heutigen Namen. Als sich die Bundeswehrführung Mitte der siebziger Jahre entschließt, Bataillonswappen und ähnlich Symbole zur Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls zuzulassen, ist bald ein Entwurf zur Hand, der den heraldischen Anforderungen entspricht: auf grünem Grund präsentiert sich seither das rote Hanseatenkreuz mit der Abbildung der "Hammaburg" in dessen Mitte.

 Viele "Prominente" aus der Hansestadt lassen es sich nicht nehmen, in diesem Bataillon entweder selbst ihre Wehrpflicht abzuleisten, wie Ruderweltmeister Peter-Michael Kolbe oder die Hamburger Bundesliga-Fußball-Stars wie' Thomas van Heesen, Holger Hieronymus und Bernd Wehmeyer, oder sie schicken zumindest ihre Söhne, wie "Stahlnetz"-Regisseur Jürgen Roland . Eine große Anzahl ehemaliger Offiziere des Bataillons wird im Laufe der Jahre General, darunter Dieter Farwick, Dietrich Genschel oder auch Jörn Söder, als Generalleutnant einer der höchsten Offiziere der Bundeswehr und seit dem 01. April 1992 militärischer Vertreter im Militäry Committee der NATO, in Brüssel. Er ist Kommandeur des Bataillons ebenso wie Senator Peter Zumkley, jetzt Bevollmächtigter der Freien und Hansestadt beim Bund. Ein anderer schafft es ebenfalls zum General, Rolf-Rüdiger Reichardt, lange Zeit Generalsekretär der CDU in Schleswig Holstein . Zum Minister gar avanciert Hartmut Perschau, seit Juni 1991 Innenminister in Sachsen-Anhalt.

Aber was wäre diese stolze Ahnenreihe ohne die vielen namenlosen Wehrpflichtigen und zahlreichen Unteroffiziere aller Dienstgrade, die über all die Jahre hinweg entsprechend ihrer Grundpflicht, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen, sich tagtäglich durch ihren Einsatz im Bataillon ebenso verdient machen, wie auch die zivilen Mitarbeiter in ihren Reihen. Am 25. September 1981, während der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen, überreicht Senator Alfons Pawelczyk dem Bataillon im Namen des Präsidenten des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg " ... in Würdigung und Anerkennung seiner besonderen sozialen und humanitären Verdienste" ein Fahnenband zur Truppenfahne. Kaum zu zählen sind die Übungen, ob mit Volltruppe, als Stabsrahmenübung oder lediglich als Rahmenübung, bei denen die Soldaten des Bataillons Flagge zeigen. Eine Besonderheit die Übung ACCORD EXPRESS vom 13.-21. September 1987: mit dem verstärkten Panzergrenadierbataillon 173 üben erstmals deutsche Bundeswehr-Soldaten in freiem Gelände auf der dänischen Insel Seeland.

Noch im Mai 1991 verbringt das Bataillon, sozusagen als letztes Crescendo in seiner Geschichte, drei Wochen auf dem kanadischen Truppenübungsplatz SHILO mitten in der Prärie Manitobas. Stärkemäßig ist es mit Blick auf die bevorstehende Umgliederung bereits so weit heruntergefahren, dass zwei Kompanien fremder Verbände die personellen Lücken zu schließen helfen. Dem abschließenden Schießen verbundener Waffen mit einer Panzergrenadierkompanie, einer Panzerkompanie und der entsprechenden Artillerie - und Mörserunterstützung gibt der Bataillonbskommandeur den beziehungsvollen Namen "THE LAST FIGHT". 

Bei allem soll aber nicht vergessen werden, dass seit Bestehen des Verbandes drei Soldaten ihren Dienst mit ihrem Leben bezahlen müssen. Unteroffizier Rüdiger Knaak stirbt am 11 .August 1971 an den Folgen eines tragischen Unfalls während einer Gefechtsübung, ein weiterer Unteroffizier, Klaus Dieter Achtert, und ein Mannschaftsdienstgrad, Panzergrenadier Heinrich Breuer, kommen ums Leben, als aufgrund menschlichen Versagens am 04. Mai 1972 der Eisenbahntransport des Bataillons bei Wintermoor frontal mit einem Güterzug zusammenprallt.

Die 2. Kompanie hat noch einmal für ca. 50 Soldaten eine Allgemeine Grundausbildung durchgeführt, die 3.Kompanie setzt als Einsatz-/ Lehrkompanie als letzte Aktion 23 frischgebackene Unteroffiziere zu ihren entsendenden Stammtruppenteilen in Marsch.

Dennoch werden die Soldaten die noch verbleibende Zeit kaum die Hände in den Schoß legen können. Neben den Maßnahmen zur Umgliederung erwartete die Offiziere und Unteroffiziere noch eine ehrgeizige Führerweiterbildung. Die Palette reicht dabei von einer zweitägigen taktischen Geländebesprechung über ein einwöchiges Seminar Politische Bildung im benachbarten Internationalen Institut für Politik und Wirtschaft "Haus Rissen", bis hin zu videogestützten Rollenspielen zum Thema "Moderne Menschenführung", die durch die Universität der Bundeswehr wissenschaftlich begleitet werden.

Die Unteroffiziere, die nach dem 30.September auf die benachbarten Verbände verteilt werden, sollen die besten Voraussetzungen für ihre neue Verwendung mitbringen. Im Wettbewerb mit dem Führerpersonal, das sie in ihren neuen Einheiten vorfinden werden, sollen sie keine Nachteile haben. Dennoch, für sämtliches noch bis zu diesem Termin im Bataillon verbleibendes Personal aller Dienstgradgruppen stehen die Vorbereitungen für die Umgliederung absolut im Vordergrund.

Sämtliches Großgerät muss in den Zustandscode "A" gebracht und für die Stilllegung vorbereitet werden, Vollzähligkeits- und Vollständigkeitsappelle sind durchzuführen, Waffen müssen für die Langzeitlagerung eingeschweißt, Vorschriften in Kisten verpackt werden. Nicht mehr benötigter Schriftverkehr ist zu vernichten . Das Liegenschaftsgerät ist zu zählen und an die Standortverwaltung zurückzugeben, Unteroffizierpausenräume einmal mit viel Liebe hergerichtet - sind wieder in den alten Zustand zu bringen, ihr Inventar wird eine neue Verwendung in Hagenow, Stern-Buchholz oder irgendwo anders im Osten finden, und ... und ... und!

Bei allem spielt eine besonderer Rolle, dass hier ein Verband der 6.Panzergrenadierdivision in den Verantwortungsbereich einer anderen, nämlich der 3.Panzerdivision überwechselt. In der Praxis bedeutet dies, dass überall dort, wo Auffassungsunterschiede deutlich werden oder Verfahrensweisen strittig sind, das I. Korps steuernd eingreifen muss. Durch enge Kontakte und häufige Besprechungen versuchen beide Bataillone jedoch, Reibungsflächen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Entschieden ist auch über das weitere Schicksal der Traditionsgemeinschaft der 225. InfanterieDivision, jenem Großverband der Wehrmacht, der als Mobilmachungsverband mit Stab in Hamburg von 1935 bis 1945 bestand und für den das Panzergrenadierbataillon 173 seit 1969 die Patenschaft übernommen hat.

Obwohl das Panzergrenadierbataillon 72 als aufnehmender Truppenteil seine uneingeschränkte Bereitschaft zur Fortsetzung der Tradition als selbstverständliche Verpflichtung erklärt hat, will sich die Kameradschaft zurückziehen. Heinrich Göttsche, Vorsitzender der Traditionsgemeinschaft, begründet den Entschluss so: "Ach wissen Sie, einen alten Baum verpflanzt man nicht mehr. Wir haben uns all die Jahre beim Panzergrenadierbataillon 173 gut aufgehoben und ausgesprochen wohl gefühlt. 173 wird jetzt selbst zu einem Verband, an dessen Tradition zu erinnern, Aufgabe Anderer sein wird. Und außerdem werden wir ohnehin von Jahr zu Jahr immer weniger .. ."

Ob es einen Traditionsverband ehemaliger 173-er geben wird, ist noch ungewiss. Dazu noch einmal Oberstleutnant Erich Siedschlag: "So etwas muss von Innen heraus kommen und sollte nicht verordnet werden. Ich weiß, dass darüber diskutiert wird. Wenn sich also ein paar pensionierte oder inzwischen im Zivilbereich tätige Portepeeunteroffiziere dazu entschließen sollten, eine solche Verbindung ins Leben zu rufen, wäre es für mich als letztem Kommandeur dieses Bataillons eine freudige Pflicht, Mitglied darin zu werden."

Hauptgefreiter Olaf Jensen, Vertrauensperson der Stabs- und Versorgungskompanie und Soldat im Instandsetzungszug, beendet am 31.03.92 seine zweijährige Dienstzeit im Bataillon. Er resümiert: "Ich bin in einer ausgesprochen aufregenden Zeit Soldat in der 1.Kompanie des Bataillons geworden. Nicht nur, dass wir am 01. April 1991 den ersten Zeitsoldaten in unsere Teileinheit bekamen, der noch seine Grundausbildung in der NVA absolviert hat, ich hatte auch das Glück, zu einer etwa vierzigköpfigen Gruppe von Soldaten meiner Kompanie zu gehören, die am 27. Februar 1991 zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, eine Kaserne der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland in Schwerin zu besuchen. Neben der Möglichkeit, die Unterkünfte und sozialen Einrichtungen der Soldaten zu sehen, konnten wir auch mit den sowjetischen Wehrpflichtigen diskutieren . Schade, dass aus der Gegeneinladung nach Hamburg nichts geworden ist . Das wäre für die Wehrpflichtigen beider Seiten sicherlich eine kleine Sensation geworden."

Am 19.August treffen sich die 173-er noch einmal so ganz unter sich. Auf den gepackten Kisten und Koffern wollen sie vor dem offiziellen Übergabeappell, der am 11. September durch die Brigade stattfinden wird, mit einer "Kistenfete" Abschied nehmen von ihrem Standort Hamburg-Rahlstedt. Zu Ende gehen wird dann auch eine Patenschaft zum Jägerbataillon 811 in Schleswig, einem Verband des Territorialheeres, die erst am 28. November 1986 durch den Austausch gegenseitiger Urkunden in Leben gerufen wurde, beendet.

Von den ehemals stolzen 650 Mann des Panzergrenadierbataillon 173 sind dann kaum noch mehr als 150 Mann Schlüsselpersonal übriggeblieben, die für die Abwicklung der Übergabe benötigt werden. Wer bis zum 30. September nicht entlassen wird, wird danach einen neuen Dienstposten in einem anderen Truppenteil antreten. Den Abgesang auf das Bataillon wird übrigens an diesem Tag keine geringerer vornehmen, als Jürgen Roland ... aus alter Verbundenheit, versteht sich.